Orientierung, Kommunikation und Selbstversorgung

Konkrete Leitfragen zur Einschätzung einer Pflegebedürftigkeit

Die Entscheidung, ob ein Mensch pflegebedürftig ist oder nicht, richtet sich nicht allein nach einer medizinischen oder gesetzlichen Definition. Viel eher geht es darum, ob ein Mensch noch in der Lage ist, seinen Alltag zu Hause alleine zu bestreiten. Braucht eine Person Hilfe bei täglichen Aufgaben, ist sie pflegebedürftig – wie stark, das unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Mit den konkreten Leitfragen in diesem Beitrag wollen wir Ihnen dabei helfen, Ihre Lage oder die eines Angehörigen einzuschätzen und rechtzeitig für die bedarfsgerechte Pflege zu sorgen.

Wie erkenne ich eine Pflegebedürftigkeit?

Das Putzen der eigenen Wohnung und die Körperpflege sind nicht mehr ohne Weiteres zu bewerkstelligen? Der Weg zum Supermarkt ist eigentlich zu beschwerlich und das Schleppen der Einkäufe erst recht? Beobachten Sie diese Anzeichen bei sich selbst oder einem Familienmitglied, sollten Sie sich die Frage stellen, ob eventuell eine Pflegebedürftigkeit besteht.

Viele Menschen neigen in dieser Situation dazu, ihre Probleme zu verstecken oder sie zu ignorieren. Denn einige wollen ihre Schwäche nicht zeigen oder sie sich selbst nicht eingestehen. Doch hier gilt es aufmerksam zu sein, um die Person zu schützen. Denn erkennt man mögliche Problemherde nicht, werden Umstände wie ein nicht barrierefreies Badezimmer oder die Notwendigkeit einer regelmäßigen Tabletteneinnahme schnell zum Problem.

Das sagt das Gesetz – die rechtliche Feststellung der Pflegebedürftigkeit

In Paragraf § 14 SGB XI ist der Begriff der Pflegebedürftigkeit folgendermaßen definiert:

„Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. {…} Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate {…} bestehen.“

Bei der Einschätzung, ob eine Person Pflege benötigt oder nicht, berücksichtigen Gutachter die folgenden sechs gesetzlich festgelegten Bereiche, die wir Ihnen zur ersten Orientierung in Form von Leitfragen zusammengefasst haben (Quelle: Paragraf § 14 SGB XI):

1. “Mobilität”:

  • Kann die angehörige Person ihre Position im Bett wechseln?
  • Hält sie eine stabile Sitzposition und kann sich umsetzen?
  • Wie funktioniert die Fortbewegung innerhalb des Wohnbereichs und das Treppensteigen?

2. “Kognitive und kommunikative Fähigkeiten”:

  • Erkennt die Person Angehörige und Menschen aus dem näheren Umfeld?
  • Funktioniert die örtliche und zeitliche Orientierung?
  • Erinnert sie sich an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen?
  • Kann die Person im Alltag komplexere Handlungen koordinieren und Entscheidungen treffen?
  • Kann die Person Sachverhalte und Aufforderungen verstehen und Risiken erkennen?
  • Kann sie ihre grundlegenden Bedürfnisse mitteilen und sich an einem Gespräch beteiligen?

3. “Verhaltensweisen und psychische Problemlagen”:

  • Weist die Person motorische Verhaltensauffälligkeiten oder ein selbstschädigendes Verhalten auf?
  • Leidet die Person unter nächtlicher Unruhe, Wahnvorstellungen, Ängsten oder Antriebslosigkeit?
  • Zeigt die Person ein physisch oder verbal aggressives Verhalten?
  • Wehrt die Person pflegerische oder andere unterstützende Maßnahmen ab?

4.”Selbstversorgung”:

  • Kann die Person sich noch selbstständig um ihre Körperpflege kümmern, wie etwa um das Waschen und An- und Auskleiden?
  • Kann sie sich selbstständig ernähren?
  • Benutzt die Person eigenständig die Toilette oder einen Toilettenstuhl?
  • Kann sie mit den Folgen einer Harninkontinenz, einem Dauerkatheter oder einem Urostoma umgehen?
  • Kann sie mit einer Stuhlinkontinenz, einem Stoma oder mit einer parenteralen Ernährung (oder über Sonde) umgehen?

5. “Selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen”:

  • Beispielsweise in Bezug auf
  • Medikationen,
  • Injektionen
  • oder bei der Versorgung intravenöser Zugänge

6. “Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte”

  • Kann die Person ihren Tagesablauf selbstständig organisieren und sich an Veränderungen anpassen?
  • Funktioniert der Schlafrhythmus der Person?
  • Kann die Person planen?
  • Wie funktionieren die direkten Interaktionen und die Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds?

Quelle: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/14.html

Für die gesetzliche Feststellung der Pflegebedürftigkeit stellen Sie einen Antrag bei der Pflegekasse. Diese befindet sich bei Ihrer Krankenkasse. Externe Gutachter schätzen dann den Pflegegrad und den ungefähren Umfang der Betreuung ein. Dort können Sie sich auch zu Themen wie Pflegegeld und den verschiedenen gesetzlich finanzierten Leistungen für die unterschiedlichen Pflegegrade beraten lassen.

Gesetzlich Versicherte verfügen automatisch über eine Pflegeversicherung. Als Privatversicherter muss man eine gesonderte private Pflegeversicherung abschließen. Für die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit stellen Sie ebenfalls einen Antrag bei Ihrer privaten Versicherungsgesellschaft.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen eine erste Orientierung bieten, um Ihre Situation oder die von Angehörigen einzuschätzen. Unser kompetentes Team ist gerne für Sie da, wenn Sie oder eine angehörige Person Pflege benötigen. Wir kümmern uns seit über 10 Jahren mit viel Herz um Senioren und Seniorinnen und ermöglichen Ihren Liebsten ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause.

Informieren Sie sich auf unserer Website über unsere umfangreichen Pflegeleistungen von der 24-h-Betreuung bis zur Tages- oder Stundenbetreuung und fordern Sie gleich Ihren persönlichen Beratungstermin an – wir beraten Sie gerne rund um das Thema und freuen uns darauf, Ihnen oder Ihren Angehörigen zu helfen!

Ihre Pflegeagentur mit Herz
Jetzt Termin anfragen!